Fiddler’s Green – Devil’s Dozen – CD Rezension

Fiddler's Green Promo Picture Devil's Dozen

Veröffentlichung: 28. Oktober 2016
Deaf Shepherd Recordings / INDIGO

Drei lange Jahre mussten Fans von Fiddler’s Green auf ein neues Studioalbum warten, doch nun ist es endlich erschienen, das 13. Studioalbum der sechs sympathischen Erlanger Speedfolker. Das neue Werk trägt den Namen Devil’s Dozen, eine englische Redewendung für die Zahl 13, welche sich auch mit der Anzahl der Titel, die auf dem Album vorzufinden sind, deckt.

Die Fiddler’s gehen mit diesem Album einmal andere Wege, so haben sie erstmalig ein vollständiges Album in den Principal Studios gemeinsam mit dem dortigen Produzententeam Jörg Umbreit und Vincent Sorg (Die Toten Hosen, In Extremo, Broilers) aufgenommen. Diesen Unterschied merkt man durchaus auch den Songs an, es finden sich weniger neu arrangierte Traditionals vor als auf den Vorgängeralben, stattdessen werden neue Stile und Themen ausprobiert. Doch liebe Langzeitfans: Keine Angst, die Fiddler’s bleiben dem Irish Independent Speedfolk und ihrem eigenen unverkennbaren Stil nichtsdestotrotz treu und so darf man sich auf eine großartig gelungene Mischung aus Irish Speedfolk, Punkrock, Reggae sowie der ein oder anderen melancholischen Ballade freuen!

Los geht’s mit dem Titelsong des Albums Devil’s Dozen, ein energiegeladener Speedfolktitel über 13 teuflische Sünden, die ein Mann begangen hat. Der Titel ist der perfekte Opener für das Album, gerade weil er musikalisch im Grunde ein typischer Fiddler’s Green Titel ist.

Weiter geht es mit dem Titel Bottoms Up, welcher mit seinen HipHop Beats sehr Fiddler’s-untypisch ist. Hier bewegen sich die sechs Erlanger auf neuem Terrain, gab es doch in 26 Jahren Bandgeschichte noch nie einen so Hiphop-lastigen Song von ihnen. Aber auch dies ist ihnen gut gelungen und so ganz verlassen sie Irland natürlich nicht, geht es doch zum einen textlich darum in einem Irish Pub namens Hardy’s so richtig die Sau rauszulassen und zum anderen fließen auch musikalisch mit einem instrumental sehr irischem Groove die Vibes der grünen Insel in den Song ein.

Der nächste Titel ist Down, zu welchem bereits vor der Albumveröffentlichung ein imposantes Video veröffentlicht wurde, welches ihr euch hier ansehen könnt:

Diese Nummer verwendet Elemente von den beiden Traditionals Bella Ciao und El Condor Pasa, allerdings haben die Jungs diese natürlich in bekannter Fiddler’s Green’scher Manier mit schnellen Rhythmen versehen, sodass wohl kein Fuß still stehen dürfte, sobald er live performt wird. Übrigens singen die Jungs hier gleich mal in sechs verschiedenen Sprachen, darunter sogar eine Strophe auf Latein, was ungewöhnlich ist, aber definitiv super in den Song und zu Albis Stimme passt.

Song Nummer vier des Albums ist Boat on the River und damit die erste Ballade der neuen Scheibe. Dieses Cover des Originals von Styx aus dem Jahre 1980 konnten Fans zum ersten Mal auf dem Shamrock Castle Festival live bewundern und was soll man sagen – es ist wirklich eine Bereicherung, dass es auch dieser Song auf das Album geschafft hat. Der Song ist instrumental eher schlicht gehalten und so wird die melancholische Grundstimmung vor allem durch den Gesang von Albi getragen und geht direkt vom Ohr ins Herz.

Mit The Perfect Gang kommt wieder irisches Leben in die Bude, in diesem hymnischen Song über Freundschaft geht es darum, was die perfekte Gang ausmacht, nämlich gemeinsam Spaß haben, tanzen, feiern oder kurz gesagt: Einfach das Leben genießen. Nur vier Akkorde ziehen sich durch den gesamten Song und dennoch ist er alles andere als langweilig. Man könnte meinen die Fiddler’s feiern sich mit diesem Song auch ein Stück weit selbst, funktionieren sie doch in genau dieser Bandkonstellation nunmehr auch schon seit 10 Jahren und ein Ende ist zur Freude aller Fans noch lange nicht in Sicht!

Leaving of Liverpool ist der einzige Irish Traditional Song auf dem aktuellen Album. Diesen Song dürfte in der ein oder anderen Version eigentlich jeder Irish Folk Liebhaber schon einmal gehört haben, es ist ein klassisches Lied über einen Iren, der auswandert, jedoch seine Geliebte daheim lassen muss.

Der nächste Song, Johnny, ist eine Aufforderung etwas aus seinem Leben zu machen. Melodisch begleitet von Swing, geht es um Johnny, der seine Sorgen in Alkohol ertränkt, dann aber vom Barmann aufgefordert wird den Pub zu verlassen und jeden Tag zu leben als sei es sein letzter.

Bei Bad Boys handelt es sich um einen Punkrock Song, der natürlich auch von Pat gesungen wird, passt doch gerade seine Stimme perfekt zu solcherlei Punkrock Songs, wie bereits die Alben zuvor bewiesen haben. Es gibt wortwörtlich auf die Fresse in dem Song, sowohl musikalisch als auch textlich.

Fiddler's Green Promo Picture 2 Devil's Dozen

Der neunte von dreizehn teuflischen Songs ist eine morbide Ballade, gesungen von Pat. Bei dieser textlich recht sarkastischen Ballade, genannt Blame it on me, über eine nicht allzu gut funktionierende Beziehung könnte auf Konzerten wohl durchaus das ein oder andere Feuerzeug gezückt werden, während man sich im Takt der Musik wiegt.

Auch ein Reggae Song darf auf einem Fiddler’s Green Album natürlich nicht fehlen und diese Rolle übernimmt All the Way mit Bravour. Diesmal ist es allerdings kein reiner Reggae Song, denn der Refrain ist flotter gestaltet, was einen interessanter Kontrast zu den langsamen reggae-lastigen Strophen des Liedes gibt.

Die Idee zum Song Mr. Tickle basiert auf der Kinderbuchserie Mr. Men von Roger Hargreaves. Mr. Tickle ist dabei ein kleines Männchen mit extrem langen Armen, das alle Menschen gemäß seines Namens dauernd kitzelt. Der Song, den die Fiddler’s daraus machten, bringt selbst melodisch eine kindliche Beschwingtheit mit sich, nicht ohne in seinem Text allerdings auch zu thematisieren, dass man als Erwachsener den Zugang zur Begeisterung für solcherlei kindliche Geschichten leider ein klein wenig verloren hat und sie nicht mehr ganz genauso betrachten kann, wie Kinder dies tun.

Die letzten beiden Songs des Albums, Here we go again und We won’t die tonight sind einmal mehr lebensbejahende Irish Speedfolk Stücke, die zur Party und zum Tanzen anregen und damit einen wundervollen Abschluss des Albums bilden, welcher direkt dazu animiert die CD sofort noch einmal von vorn zu hören.

Alles in allem enttäuschen die Jungs von Fiddler’s Green auch im 13. Studioalbum nicht. Im Gegenteil dürften sie aufs Neue mit der Kombination aus altbewährten Konzepten und dem Mut zu neuen Ideen sowohl alteingesessene Fans als auch Fiddler’s Green Neulinge begeistern und somit für viele weitere folkige musikalische Stunden sorgen, sei es nun beim Album anhören oder auf einem ihrer zahlreichen Konzerte.

Wer nun angefixt ist und sich das Album selbst erstehen möchte: Abgesehen von der ganz normalen Standard-Audio CD gibt es den teuflischen Stoff auch in einer Deluxe Version mit exklusiver Live-DVD, welche den Mitschnitt eines Unplugged-Konzertes in München 2015 zeigt, sowie als Limited Edition welche die Deluxe Version in einer Metallbox mit Gürtel samt Metallschnalle, Anhänger, Patch und einem Sticker, beinhaltet.

Die passende Tour zur neuen Scheibe gibt es natürlich auch: Zunächst im europäischen Ausland, bevor dann im Dezember und Januar die ausgiebige Devil’s Dozen Tour in Deutschland startet. Die kommenden Termine sind folgende:

Fiddler's Green

Fiddler’s Green

03.11.16 A – WÖRGL – Komma
04.11.16 A – WIEN – Szene
05.11.16 A – AFLENZ – Sublime
19.11.16 CH – PRATTELN – Z7
25.11.16 NL – UDEN – De Pul
26.11.16 NL – ENSCHEDE – Atak
27.11.16 NL – DEN HAAG – Paard van Troje
02.12.16 MÜNCHEN – Tonhalle
03.12.16 LOSHEIM – Eisenbahnhalle
04.12.16 FRANKFURT/MAIN – Batschkapp
09.12.16 HAMBURG – Große Freiheit 36
10.12.16 BERLIN – Postbahnhof
15.12.16 WÜRZBURG – Posthalle
16.12.16 ERFURT – Stadtgarten
17.12.16 KÖLN – Live Music Hall
13.01.17 OBERHAUSEN – Turbinenhalle
14.01.17 HANNOVER – Pavillon
20.01.17 STUTTGART – LKA Longhorn
21.01.17 NÜRNBERG – Löwensaal
26.01.17 GIESSEN – Hessenhalle
27.01.17 LEIPZIG – Haus Auensee
28.01.17 DRESDEN – Alter Schlachthof

 

Bilder: © Holger Fichtner

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